FAQ

  • Warum werden im Projekt korn B alte Getreidesorten verwendet? Mit dem Anbau von alten Getreidesorten soll ein Beitrag zur Biodiversität, zum Artenschutz und Umweltschutz geleistet werden. Außerdem werden ihnen besondere Eigenschaften zugeschrieben. Die Theorie besagt, dass viele alte Getreidesorten oft krankheitsresistenter sind,  lange Trockenphasen oder Frost besser verkraften können und positive ernährungsphysiologische Eigenschaften aufweisen.
  • Was ist der Unterschied zwischen alten Getreidesorten und Urgetreide? Mit Urgetreide (Emmer, Einkorn, Dinkel) begann der Getreideanbau. Hieraus wurden schrittweise Getreidearten wie bspw. Weizen, Gerste und Roggen kultiviert. Alte Getreidesorten sind vom Aussterben bedrohte Kulturpflanzen. Um den Ertrag und somit die Wirtschaftlichkeit für die Landwirtschaft auf großen Flächen zu steigern, wurden neue Sorten gezüchtet. Diese haben die „Alten Sorten“, die oftmals mehr Aufwand verlangen, verdrängt. Sie stehen auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutzpflanzen in Deutschland.
  • Wie viele alte Getreidesorten gibt es und wer sorgt für die Erhaltung? Züchter und auch die Landwirtschaftskammer greifen auf den Fundus der „Genbank des Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung“ zu. Hier werden ehemalige Sorten und Funde die zum Beispiel bei Sammelreisen durch Lebendanbau alle 10 Jahre und Cryo-lagerung bei -18° erhalten. Es handelt sich hier um 24 030 Gersten-Akzessionen (in der Kommunikation „Sorten“), 27 478 Weizen-Akzessionen, 3 712 Roggen-Akzessionen. Beim Anbau, der hier in  kleinstem Maße (1 m²) „in situ“ erfolgt, werden dabei, die bei der Einlagerung festgestellten morphologischen Merkmale geprüft. Dieser Anbau und der große Abstand zwischen einzelnen Anbauzeiten (alle 10 Jahre) erschwert aber die Anpassung der Akzessionen an die Veränderungen der Umwelt. Deshalb wurden ab Mitte der 90.iger Jahre Aktivitäten, die sich mit der „in situ“-Erhaltung dieser Muster beschäftigten auch von der Genbank unterstützt. Nach dem  Aufbau genügend großer Bestände war es dann auch möglich den „on Farm“-Anbau mit interessierten Landwirten und damit eine „Rekultivierung“ dieser Sorten zu starten.
  • Was ist der Unterschied zwischen Sommergetreide und Wintergetreide? Sommergetreide wird im Frühjahr gesät und im Sommer geerntet. Wintergetreide wird im Herbst gesät und im Sommer des darauffolgenden Jahres geerntet.
  • Was ist der Vorteil von Sommergetreiden? Sommergetreide ermöglichen den Anbau einer hoch wachsenden Zwischenfrucht im Winter, die die Auswaschung von im Boden nach der Vorfrucht wasserlöslich und reichlich vorhandenem Stickstoff weitgehend verhindert. Der Stickstoff wird in der großwachsenden Zwischenfrucht gespeichert und steht nach Einarbeitung im Frühjahr dem eingesäten Sommergetreide wieder zur Verfügung.
  • Was ist der Vorteil von Wintergetreiden?  Durch die längere Vegetationszeit und die Ausnutzung der Winterfeuchtigkeit erbringen die Wintergetreide höhere Erträge als die Sommergetreide.
  • Wie trägt Sommergetreide zum Wasserschutz bei? Sommergetreide ermöglicht den Anbau einer Zwischenfrucht im Herbst, da Sommergetreide erst im darauffolgenden Frühjahr gesät wird. Diese Zwischenfrucht speichert über den Winter frei verfügbaren Stickstoff in der Blattmasse und vermindert damit deutlich die Auswaschung von Stickstoff in das Grundwasser. Im Frühjahr wird die Zwischenfrucht als Bodenverbesserung in den Boden eingearbeitet und der darin gebundene Stickstoff steht dann dem Sommergetreide wieder zur Verfügung, somit liefert Sommergetreide einen wesentlichen Beitrag zum Gewässerschutz.
  • Was bewirkt der Anbau von Zwischenfrüchten? Der Zwischenfruchtanbau ist ein Multitalent zur Bodenverbesserung und somit auch ein Beitrag zum Wasserschutz. Im Herbst angebaut, dienen sie als Nährstoffdepot und steigern damit die Effizienz der Nährstoffausnutzung. Bodenstickstoff wird in den Pflanzen über den Winter gebunden und steht im Frühjahr der Folgekultur zur Verfügung. Sie nehmen Nährstoffe (vor allem Stickstoff) auf, binden und schützen sie vor Auswaschung in das Grundwasser (Wasserschutz), schützen vor Erosion, erhalten und verbessern das Bodengefüge und fördern das Bodenleben und die Humusbildung. Sie dienen so der Bodengesundheit und erhöhen auch noch die Artenvielfalt.
  • Was sind wassersensible Gebiete? Wassersensible Gebiete kennzeichnen den natürlichen Einflussbereich des Wassers. „Sensibel“ steht für Begriffe wie Empfindlichkeit, empfindlich gegenüber äußeren Reizen. Allgemeine Bedeutung hat der Begriff im Zusammenhang mit Trinkwasserschutz bezogen auf Nitrat bekommen. Zum Trinkwasserschutz gehören unter anderem die Ausweisung von Wasserschutzgebieten und die Bildung der Nitratkulisse nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Hierbei werden zum Beispiel wechselnde Grundwasserstände sowie die Sickerwasserrate im Wasserschutzgebiet berücksichtigt. Wasserschutzgebiete sind Gebiete, in denen zum Schutz von Gewässern (Grundwasser, oberirdische Gewässer, Küstengewässer) vor schädlichen Einflüssen wie Verunreinigungen besondere Ge- und Verbote gelten. Die Sickerwasserrate aus dem Boden ist für die Trinkwasserversorgung aus Grundwasser quantitativ von Bedeutung. Wasserschutz ist im Projekt korn B von großer Bedeutung. Unser Projektgetreide wird daher in Wasserschutzgebieten angebaut.
  • Was bedeutet Nitrat (Stickstoff) in der Landwirtschaft? In der Natur ist Nitrat ein Bestandteil des Stickstoffkreislaufes und kommt daher in begrenzten Mengen im Boden vor. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten wird Nitrat als Dünger eingesetzt, weil dadurch das Wachstum von Getreiden und Pflanzen angeregt wird. Das führt zu einer höheren Gewässerbelastung. Unsere korn B Landwirte haben es sich zur Aufgabe gemacht, dem entgegenzuwirken. Durch den Zwischenfruchtanbau und mit einer Trinkwasserschutzkooperation mit ihren regionalen Wasserversorgern tragen sie aktiv zum Wasserschutz bei.
  • Wie wirkt sich Nitrat in wassersensiblen Gebieten aus? Der Einsatz von Nitrat als Dünger in der Landwirtschaft führt zu einer erhöhten Gewässerbelastung (Grundwasser). Zu hohe Nitratbelastungen im Grundwasser können die Gesundheit schädigen und in Flüssen und Seen sorgt Nitrat für übermäßiges Algenwachstum, welches die Wasserqualität nachhaltig verschlechtert. Im Projekt korn B erforschen wir Lösungen in der Landwirtschaft für genau dieses Problem. Insbesondere unsere korn B Landwirte haben ein großes Interesse an nachhaltigem Wasserschutz.
  • Was bedeutet regionale Wertschöpfungskette? Eine regionale Wertschöpfungskette entsteht dann, wenn nach der Urproduktion (Getreide aus dem Ackerbau) noch weitere Verarbeitungsschritte in derselben Region stattfinden, wie zum Beispiel die Reinigung, das Vermahlen oder Vermälzen des Getreides. Auch weitere Verarbeitungsschritte, wie das Backen und Brauen, gehören zu einer regionalen Wertschöpfungskette, wenn alle Verarbeitungsschritte innerhalb einer Region stattfinden.